Autor Thema: Jetzt seid ihr gefragt: Voten für den besten Romananfang bis zum 30.11.2015  (Gelesen 3591 mal)

Tobias Kiwitt

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Jetzt seid ihr gefragt: Voten für den besten Romananfang bis zum 30.11.2015
« am: November 16, 2015, 03:05:52 Nachmittag »
Der von dem BVjA und der AKADEMIE FUER AUTOREN, Berlin, ins Leben gerufene Wettbewerb "Der beste Romananfang" wurde am 15.11. um 24.00 Uhr geschlossen. Nun seid Ihr gefragt: Wer hat den besten Romananfang geschrieben?
 
Bitte teilt uns Euer Votum bis zum 30.11. um 24.00 Uhr mit, indem ihr bitte unterhalb dieses Posts einen Favoriten benennt. Jeder kann nur einmal abstimmen und hat nur ein Stimmrecht. Bitte haltet dies aus Gründen der Fairness so ein. Es stehen 13 Romananfänge zur Auswahl. Bitte benennt eine Zahl.

Und hier die Romananfänge:

1

Er konnte seine Uhr danach stellen: Im 3. Stock schräg rechts gegenüber erflackerte der elektrische Kronleuchter im Schlafzimmer. Es war Sonntagabend, 22 Minuten nach 23 Uhr und Heinrich Brummer betrat das Zimmer, zog seine Hose aus, legte sie ordentlich auf den Stuhl, dann kam das Hemd, welches er über die Lehne hing, zum Schluß folgten Unterhemd und -hose, die zusammengelegt im Wäschekorb Platz fanden. Währenddessen verschwand seine Frau Hera im Bad.


2

Es war beschlossene Sache, wir wollten ein Haus bauen. Wir, das sind mein Mann, mein dreijähriger Sohn und ich. Was dabei genau auf uns zukommen sollte, wussten wir nicht wirklich, aber das war wahrscheinlich auch besser so.
Denn es ist mit dem Hausbau wie mit dem Kinderkriegen, man muss sich einfach darauf einlassen, wenn man sich im Vorfeld zu ausführlich darüber informiert, was alles schiefgehen kann, bleibt man am Ende kinderlos oder eben in der guten alten Mietwohnung hängen.
Ein bisschen Risikobereitschaft gehört eben dazu.


3
 
Die letzten Meter müssen wir durch das Meer waten. Frauen, Kinder, Männer mit Rucksäcken und Plastiktüten wie ich. Unsere Füße verschwinden in den kleinen Wellen. Das Wasser ist noch kühl von der Nacht und dem kalten Glanz der Sterne. Hinter der schimmernden Wasserfläche zerteilt ein einsamer Küstenstrich Himmel und Meer.


4

Er liebte vor allem ihre Nase. Sie war schmal und ganz zart, beinahe weich. Morgens küsste er sie, abends auch. Und trotzdem musste er nach Südkorea, dabei war sie gerade erst angekommen. Seinetwegen.


5

„Hat sich der Stift das Gehirn jetzt komplett weggekifft?“
Das laute Klackern der Birkenstocksandalen und der wütende Tonfall ihrer Chefin ließen Anke aufhorchen. Ihr Blick flog bekümmert über den voll beladenen Arzneirollwagen, vor dem sich Marion mit fünf Zovirax-Schachteln postiert hatte. Sichtlich erbost quetschte sie vier davon zwischen die alphabetisch sortierten, eng nebeneinanderstehenden Medikamentenpackungen und schielte besorgt zu dem Kunden im Verkaufsraum hinüber.
„Sprichst du von Murad?“, raunte Anke ihr zu, „wo bleibt der überhaupt?“



6

Wer die Realität durchbricht, erreicht Gott!

Die Inschrift neben dem Durchgang lockte den Besucher in den Nebenraum des Ateliers. Kleine Lampen über den Fotos lenkten den Fokus auf die Aktbilder. Damit verhöhnte Peter Almer den Glauben, jedoch feierte die Gesellschaft das als provokative Kunst.
»Da schau!« Eine helle Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. »Gods Love For Black And White.«


7

„Raus!“
Manu rekelte sich im Bett, griff neben sich und strich über die kalte Matratze. „Wieso bist du denn so unfreundlich, ich bin noch gar nicht richtig wach. Komm, sei lieb und gib mir einen Kuss.“
„Scher dich raus und komm nie wieder.“
Dieser zischende Ton, der in ihrer letzten Gehirnwindung eine Erkenntnis auslöste, ließ Manu blitzartig stocksteif und hellwach werden.


8

September 1907: An diesem Tag erwachte Alvine Hoheloh vor dem ersten Hahnenschrei. Sie verrichtete ihre Morgentoilette dürftig und verknotete ihre dunkelbraune Mähne umständlich mit etlichen Bändern und Spangen, welche ihr ältester Bruder ihr aus dem Orient mitgebracht hatte. Ihre Lockenpracht war wohl ebenso faszinierend und unbeständig zugleich - genau wie die Trägerin, wie jeder feststellte, der sich einem Gespräch mit ihr stellte. Anders als ihre zwei viel älteren Brüder und ihr Vater hatte sie sich mit der Tatsache des nicht zu verhindernden Kurvenwachstums ihres Körpers abgefunden. Obgleich der Fakt, dass die neckischen Rundungen an Umfang zunahmen, ihr gelegen kam - schließlich wirkte ihre Erscheinung nun keinesfalls mehr so unproportional gegenüber ihrem dichten Haupthaar, das ihr bis zur Brust reichte.


9

"Der Tote heißt Martin Meier. Großes M, kleine Eier, 40, Lehrer hier am Gymnasium. Irgendjemand hat ihm den Schädel eingeschlagen.“ Oberkommissar Klaus Hofmockel stand breitbeinig am Absperrband. In der Hand trug er einen Block, im Gesicht ein Grinsen.


10

Obwohl wir gerne über die Mauer springt, sehen wir doch nur Schimmelpilze, die uns verschweigend die Blumen aus dem Sumpf holen, erwarten wir zu  viel vom Leben,  wir leben, die ´67 geborenen, eine Generationen an die sich heute keiner mehr erinnert, warum auch, was haben wir geleistet, Kindergarten, Junge Pioniere, POS, Jugendweihe, Lehre, Thälmann Pioniere, FDJ, GST, DSF, Junge Gemeinde. Heute sind wir ausgebrannt, Jahre sind ins Land gezogen, wir fahren einmal im Jahre nach Usedom oder Rügen, unsere Familien leben getrennt, in Ost und West, doch wo ist unser Platz? Wir sind heute über vierzig, mancher lebt noch in der Vergangenheit, andere leben von Hartz IV, kaum einer hat es geschafft an zu kommen im Land der Träume und doch wir leben, um welchen Preis? Einst beschworen wir den Sozialismus, heute ist es Demokratie auf die wir erstaunt sehen, Zentimeterweise schieben sich die Schneebälle an unseren Anoraks vorbei, die Götter haben uns verlassen, wir haben noch Zeit um die Früchte unserer Arbeit zu ernten?
Verschüttete Kieselberge schenken uns Nelken, ein Hauch von Zukunft lässt uns bibbern, beim Lesen der Bücher die wir in unseren Buchläden finden, gut so kann es weiter gehen, wir bleiben am Ball.


11

„Alexandra!“
Immer, wenn es so spannend war, musste irgendjemand etwas von ihr wollen. Mama natürlich, wer sonst. Alexandra seufzte, klappte das Buch zu und stand widerwillig auf.
„Was ist denn schon wieder?"

12

Lonesome Henry (unveröffentlicht)

Dieser Freitag fing damit an, dass ich einem wildfremden Kerl am liebsten den Schädel eingeschlagen hätte. Das war aber noch gar nichts. Richtig ärgerlich wurde ich erst im Laufe des Tages.
Ich hatte mir vor einem halben Monat einen CD-Radiowecker gekauft und ließ mich seither morgens gegen halb sieben von „Metallica“ wecken. An diesem Freitagmorgen begann aber irgendein Arschloch, bereits kurz nach fünf Uhr in der Früh an meiner Wohnungstür Sturm zu läuten.


13

Liebe Leser, 10-9-8-7-6-5-4-3-2-1 … Willkommen 2015! Das neue Jahr hatte also begonnen. Stolz blickte ich auf meinen Hafen, in welchem schön illuminiert sechs Kreuzfahrtschiffe lagen. Ich selbst funkelte auch wie eine Lichtorgel aus den 70er Jahren. Meine Weihnachtsdekoration gepaart mit dem Feuerwerk zu Silvester ließ mich in allen Farbfacetten strahlen, auf die ein Maler in seiner Palette stolz wäre. Wer ich bin?